3 Die Figur im Wandel vom Hellenismus zum Barock

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3 Die Figur im Wandel vom Hellenismus zum Barock

Rubens' Figuren

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Holo4ART: 

An dieser Stelle darf ich mich schon einmal bei Ihnen beiden, den beiden prägenden Künstlern der Renaissance, Leonardo da Vinci und Michelangelo di Buonarroti, bedanken für den Einblick in die Darstellung der menschlichen Figur in der Renaissance, der Antike und im Mittelalter.

Jetzt, liebe Gäste, dürfen Sie sich auf einen weiteren großen Künstler freuen. Begrüßen Sie mit mir Peter Paul Rubens aus Antwerpen, den wir aus dem Jahr 1618 zu unserem Symposium ins Jahr 2077 geholt haben.

Rubens:

Herzlichen Dank für die Einladung zu dieser besonderen Veranstaltung. Ich möchte heute gleich einmal mit einer kleinen Frage beginnen: Was ist schön? Na ja, zugegeben, klein ist die Frage nicht, mich beschäftigt diese Frage durch mein gesamtes Schaffen hinweg, schön, dass es auch Thema dieser Ausstellung ist.

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Was ist denn eigentlich schön?

Hier sehen Sie Bilder von Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten. Wählen Sie drei Bilder aus, die Sie als schön empfinden und vergleichen Sie diese miteinander.

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Schönheitsideale im Lauf der Zeit

Ist das, was wir als schön empfinden, immer gleich? Verändert sich ein Schönheitsideal im Lauf der Zeit? Diskutieren Sie das mit einer Partnerin oder einem Partner!

Selbstdarstellung im Netz

Unter den Abbildungen war auch ein sogenanntes Selfie, wie sie tagtäglich in den sozialen Medien zu sehen sind. Wie stehen Sie zu diesen Selbstdarstellungen im Netz? Spiegeln sie Wirklichkeit wider?

Welche Vor- und welche Nachteile sehen Sie bei der "Zur-Schau-Stellung" des eigenen Körpers im Netz?

Erörtern Sie diese Fragen im Plenum.

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https://commons.wikimedia.org/wiki/File:07leucip.jpg

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Rubens:

Wie Sie vielleicht erahnen können, habe ich mein Bild „Der Raub der Töchter des Leukippos“, das ich gerade fertiggestellt habe, unter die Auswahl geschmuggelt und ich muss sagen, es ist überaus interessant, sich mit der Frage „Was ist schön?" durch die Jahrhunderte zu bewegen. Ja, meine Darstellung von Figuren, vor allem der weiblichen, unterscheiden sich deutlich von denen vorhergehender und auch nachfolgender Künstler. Warum das so ist, versuche ich Ihnen im Folgenden zu erklären. Wissen Sie, meine Zeit ist eine Zeit der Gegensätze. Seit Luther vor hundert Jahren die 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat, gibt es ständig Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen den Katholiken und den Protestanten. Einen weiteren Gegensatz gab es zwischen den in Prunk lebenden Herrschern und dem armen einfachen Volk. Der Adel lebte in Luxus und erging sich in Lebensfreude, wohingegen die Bevölkerung hungerte und auf ein besseres Leben im Jenseits hoffte. In Kunstwerken werden Symbole, die auf die Vergänglichkeit hinweisen, sogenannte Vanitas-Motive, beispielsweise der Totenkopf, das Stundenglas oder verderbendes Obst, eingearbeitet. Essen bzw. Nahrungsmittel sind ein Zeichen des Wohlstands, das Schönheitsideal veränderte sich. Frauen mit üppigen Formen zeugen von Reichtum und Gesundheit.

Wenn man sich das Thema meines Bildes „Der Raub der Töchter des Leukippos“ zu Gemüte führt, erkennt man schnell, dass ich in dem klassischen Kanon der mythologischen Themen geblieben bin. Da bin ich meinen Vorgängern und Vorbildern Leonardo und Michelangelo, die ich eingehend studiert habe, treu geblieben. Ich habe ihren Vorträgen sehr interessiert gelauscht und ich kann ebenso bestätigen, dass das Studium der Werke der Antike für den eigenen Schaffensweg enorm förderlich ist. Ich muss gestehen, manchmal kopiere ich sie und nutze sie als Grundlage für meine Werke. Wie zum Beispiel Giovanni da Bologna, auch Giambologna genannt, er hat im Jahr 1579 – als ich gerade einmal zwei Jahre alt war – die geniale Skulptur "Raub der Sabinerinnen" geschaffen. Die Figuren sind ineinander verdreht, sie winden sich dynamisch zum Himmel, sind gespannt bis in die Spitzen der Finger. Die Dramatik, die man auch von den Werken der hellenistischen Kunst der alten Griechen kennt, ist aus jeder "Pore" der Körper zu spüren. Noch dazu hat Giambologna diese Skulptur aus nur einem Marmorblock gehauen. Kennen Sie sich bereits damit aus, nach welchen unterschiedlichen Ideen eine Figur im Raum gestaltet werden kann?

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Grundkonzepte der Figurendarstellung

Ordnen Sie die Begriffe den jeweiligen Bildern zu.

Hier sehen Sie das Bild von Giambologna, von dem Rubens erzählt hat. Welchen Figurenkonzepten würden Sie dieses Bild zuordnen?
Tippen Sie die passenden Begriffe an.

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Aufgabe

Gegensätze

Dramatik und Bewegung sind aus Rubens' Sicht enorm wichtig, damit die Betrachter spüren, was die dargestellten Figuren, was den Künstler zu seiner Gestaltung bewegt. Nur so kann der Künstler auch eine Emotion erzeugen. Wie Rubens in seinem Audiobeitrag erläutert hat, sind es die Gegensätze, die die Zeit des Barock geprägt haben. Überlegen auch Sie sich Gegensätze, die Sie mit Ihrem Körper ausdrücken.

  1. Erfinden Sie in 3er-Teams (2 Modelle + Bildhauer/Fotograf) lebendige Plastiken zum Thema "Gegensätze" und fotografieren Sie diese. Planen Sie dafür 15 Minuten Zeit ein. 
  2. Präsentieren Sie die Fotos und lassen Sie das Publikum raten, um welches Gegensatzpaar es sich handelt.
  3. Reflektieren Sie außerdem, um welches Konzept der Figurendarstellung (siehe Aufgabe 1) es sich handelt.
  4. Empfinden Sie dann eine der Figuren mithilfe einer Drahtfigur nach. Eine einfache Anleitung finden Sie hier: