1. Städteboom im Mittelalter

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Vereinzelte Pilze wachsen auf einem Moosbewachsenen Baumstamm
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PD
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Städte kamen und gingen, sie entstanden und wurden wieder zerstört, sie wurden von Katastrophen heimgesucht oder schlicht verlassen. Sehr viele unserer heutigen Städte entstanden aber im Mittelalter und bestehen seitdem bis heute fort. Wie die Pilze schossen sie für eine gewisse Zeit überall im Reich aus dem Boden. Mich interessiert dieser Städteboom. Wie kam es dazu und was ist da genau passiert?

1.1 Woher kamen die vielen Städte?

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Balkendiagramm Städtegründungen im Mittelalter: 1150-1200 = ca. 130; 1200-1250 = ca. 330; 1250-1300 = ca. 780; 1300-1350 = ca. 335; 1350-1400 = ca. 230; 1400-1450 = ca. 125; 1450-1500 = ca. 50
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Städtegründungen im Mittelalter

Im frühen Mittelalter (ca. 500 bis 900 n. Chr.) gab es auf dem Gebiet des heutigen Deutschland nur vereinzelte Städte. Die Menschen lebten überwiegend ein einfaches Leben auf dem Land. Viele Gegenden waren sehr dünn besiedelt. Es fehlte außerdem das notwendige landwirtschaftliche Wissen, um für viele Menschen in größeren Städten die nötigen Lebensmittel herstellen zu können.
Ab etwa 900 n. Chr. wurde es in Zentraleuropa aber deutlich wärmer als zuvor ("mittelalterliche Warmzeit"). Dies führte zu besseren Ernten und gesünderen Menschen, die sich wiederum schneller vermehrten. Gleichzeitig führten neue landwirtschaftliche Entwicklungen, wie die Dreifelderwirtschaft, zu einer besseren Versorgungslage mit Lebensmitteln. In der Folge gab es also insgesamt mehr Menschen, die gar nicht alle in der Landwirtschaft gebraucht wurden.

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Aufgabe

Nenne in Stichpunkten die wichtigsten Gründe für den Städteboom im Mittelalter.

1.2 Günstige Bedingungen für Städtewachstum im Mittelalter

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Zu sehen sind fünf Siedlungsansammlungen: Um einen Berg, um ein Kloster, um eine Burg, an der Kreuzung einer Handelsroute und eines Flusses.
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Abbildung: Günstige Orte für Stadtentwicklungen

Häufig entstand eine Stadt aus einer bereits bestehenden Siedlung, wie z. B. Leipzig oder Nossen. In anderen Fällen gründete ein Landesherr eine ganz neue Stadt, wie z. B. Eilenburg oder Freiberg. Es gab demnach viele unterschiedliche Wege, wie eine Stadt entstehen konnte. Eines hatten jedoch alle Stadtgründungen gemein: Es waren die adeligen Landesherren, die Stadtrechte erteilten. Diese Privilegien versprachen Freiheiten und Aufstiegschancen und lockten daher Menschen vom Land in die neue Stadt. Die meisten dieser neuen Städte wuchsen prächtig und brachten so auch ihren Gründern Reichtum und Ansehen in Form von Steuern und Zöllen.

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Aufgabe

  1. Jede Häuseransammlung im Element 4 steht für eine besonders günstige Lage für Städtegründungen.
    Arbeite diese günstigen Bedingungen heraus und notiere sie in eigenen Worten.
  2. Erkläre anhand der interaktiven Karte der Stadt Soest (Element 6) ihre Entwicklung zu einer Stadt.

Interaktive Karte: Die Entwicklung der Stadt Soest (8. bis 12. Jahrhundert)

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Quelle

Das Stadtrecht der Stadt Freiburg im Breisgau von 1120

Allen Zukünftigen wie Gegenwärtigen sei bekannt, dass ich, Konrad, auf meinem eigenen Land, nämlich in Friburc, im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1120 einen Markt (forum) gegründet habe. Ich habe durch Bekanntmachung von überallher Kaufleute herbeigerufen und bestimmt, den Markt durch eine Schwureinung (coniuratio) zu gründen und auszubauen. 

Dann habe ich jedem Kaufmann in dem gegründeten Markt einen Bauplatz zugeteilt, damit er Häuser auf eigenem Besitz errichten kann, und habe bestimmt, dass mir und meinen Nachfahren von jedem Grundstück zu Martini ein Schilling gültigen Geldes als jährlicher Zins bezahlt werde. Die einzelnen Hausgrundstücke sollen hundert Fuß lang und fünfzig Fuß breit sein.

Weiterhin sei allen bekannt, dass ich gemäß der Wünsche und der Bedürfnisse folgende Privilegien erteilt habe (wobei es mir insgesamt am sinnvollsten erschien, alles aufzuschreiben, damit es lange Zeit in Erinnerung bleibe, sodass meine Kaufleute und ihre Nachkommen dieses von mir und meinen Nachfahren erteilte Privileg auf ewig behalten mögen): 

Ich verspreche Frieden und Wegesicherheit in meinem Macht- und Herrschaftsbereich allen, die meinen Markt aufsuchen. Sollte dort jemand beraubt werden, werde ich, wenn er den Räuber benennt, entweder die Rückgabe erreichen oder selbst Schadenersatz leisten. 

Wenn einer meiner Bürger (burgenses) verstirbt, so sollen seine Frau und seine Kinder alle seine Habe besitzen und bedingungslos alles, was der Mann hinterlassen hat, erhalten. Sollte jedoch jemand ohne Frau und Kinder oder ganz ohne legitimen Erben sterben [...]. 

Allen Kaufleuten erlasse ich den Zoll. 

Niemals will ich meinen Bürgern einen Vogt oder einen Pfarrer ohne Wahl vorschreiben, sondern wen immer sie dazu erwählen, will ich bestätigen. 

Wenn sich irgendeine Streitigkeit oder Meinungsverschiedenheit unter meine Bürgern erhebt, sollen diese weder nach meinem Urteil noch dem ihrer Vorsteher verhandelt werden, sondern nach dem gewohnheitlichen und legitimen Recht aller Kaufleute, besonders der Kölner, soll ein Urteil gefunden werden. 

Wenn jemand Mangel an notwendigen Dingen leidet, kann er seinen Besitz verkaufen, wem auch immer er will. [...]

Felicitas Schmieder: Die mittelalterliche Stadt. 2. bibliographisch aktualisierte Ausgabe 2009, WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2009, S. 84 f.

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Aufgabe

  1. Stell dir vor, du stammst aus einer Kaufmannsfamilie im Mittelalter und ihr denkt ernsthaft darüber nach, dem Aufruf von Konrad (Element 7) zu folgen und nach Freiburg zu ziehen. Berichte einem Freund oder einer Freundin in einem Brief von euren Überlegungen.
  2. Nenne mögliche Beweggründe Konrads für seinen Aufruf.

1.3 Selber forschen: Wie alt sind die Städte in Sachsen?

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Wir Menschen möchten oftmals wissen, wie alt jemand oder etwas ist. Die genauen mittelalterlichen 'Geburtstage' von Städten sind heute aber oftmals gar nicht so leicht zu bestimmen. Damit ein Historiker mit Sicherheit behaupten kann, dass diese oder jene Stadt in einem bestimmten Jahr gegründet worden ist, müsste ein eindeutiger Fund oder eine eindeutige Quelle vorliegen. Nun gibt es aber aus dem Mittelalter nur verhältnismäßig wenig schriftliche Quellen. Daher können wir bei vielen Städten nur Vermutungen zu ihrem 'Geburtstag' anstellen.

Gründungsumstände von ausgewählten Städten in Sachsen

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Aufgabe

Wie schwer es ist, genaue Aussagen zum Alter von mittelalterlichen Städten zu treffen, kannst du mithilfe der interaktiven Karte (Element 10) oben selber erleben. 

  1. Ordne die Städte in der Erkundung nach Alter in die Tabelle unten ein. 
  2. Begründe deine Entscheidungen in der dritten Spalte.
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Exkurs: Deine Heimatstadt im Mittelalter

Interaktive Aufgabe: Internetrecherche