Wandern ist nicht gleich Wandern. Menschen bewegen sich aus unterschiedlichen Gründen für unterschiedliche Zeiträume an unterschiedliche Orte. Nicht jede dieser Wanderungen nennen wir Migration. Was ist dann eigentlich Migration? Was macht sie besonders und abgrenzbar vom Reisen oder Besuchen? Und wie kann man Migration so untersuchen, dass man versteht, warum Menschen zu Migranten werden? Diese Fragen werden wir in diesem Teilmodul beantworten.
Wandern = Migration?
2
Der Begriff Migration leitet sich vom lateinischen Wort migrare ab,
das wandern, aus- oder wegziehen bedeutet. Wir benutzen ihn heute
ständig und irgendwie haben wir alle das Gefühl, dasselbe zu meinen,
wenn wir Migration sagen.
Aber nicht jeder Mensch, der sich an einem anderen Ort aufhält als
dem, an dem er geboren und aufgewachsen ist, ist ein Migrant. Menschen gehen
aus unterschiedlichen Gründen,
unter sehr unterschiedlichen Bedingungen und
mit unterschiedlichen Zielen
an einen anderen Ort. Ob wir eine bestimmte Form dieser Bewegungen
als Migration bezeichnen, hängt von all diesen Gründen, Bedingungen und
Zielen ab.
3
Definition
Die Definition von Migration des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge
Unter Migration versteht man, dass Menschen den Ort, an dem sie leben, dauerhaft ändern. Manchmal sagt man auch, sie ändern ihren Lebensmittelpunkt. Von internationaler Migration spricht man, wenn
die Verlegung des Wohnortes über Ländergrenzen hinweg geschieht.
Das Foto zeigt Touristen am Strand von Lloret de Mar, Spanien.
Das Bild zeigt deutsche Auswanderer, die im Hamburger Hafen ein
Dampfschiff nach Amerika besteigen (Darstellung aus dem 19.
Jahrhundert).
Das Foto zeigt ein Nomadenzelt im Iran. Nomaden ziehen mit ihren
Tierherden von einem Weideplatz zum nächsten. Oft überqueren sie dabei
auch Staatsgrenzen. Sie haben keinen einen Herkunftsort und auch kein
eines Ziel.
Das Foto zeigt eine Flüchtlingsfamilie, die 2015 in Deutschland ankommt.
Ein Vertragsarbeiter aus Namibia bei seiner Ausbildung zum Schumacher
in Weißenfels 1985. Vertragsarbeiter waren Menschen, die von der DDR
aus anderen Staaten angeworben wurden, um für einen befristeten Zeitraum
in der DDR zu arbeiten. Danach sollten sie wieder in ihre Heimat
zurückkehren.
Eine 'Schwäbische Bäckerei' in Berlin – die Betreiber und viele ihrer
Kunden sind wahrscheinlich aus Südwestdeutschland nach Berlin gezogen, um dort zu arbeiten oder zu studieren.
5
Aufgabe
1Lies dir die obige Definition von Migration durch und sieh dir danach die 'Galerie:
Migranten?' an.
2Entscheide bei jedem Bild, ob es sich um Migranten nach der Definition des Bundesamtes handelt. Begründe deine Entscheidung.
1.1 Warum gehen Menschen eigentlich woanders hin?
6
Migration ist anstrengend. Menschen verlassen geliebte Menschen. Sie nehmen Gefahren und Kosten der Reise auf sich, müssen sich an einem fremden Ort unter fremden
Menschen neu einrichten. Um sich für das Auswandern zu entscheiden, braucht ein Mensch also gute Gründe. Diese Gründe lassen sich in Push- und Pull-Faktoren einteilen. Push-Faktoren (engl. to push
= schieben/drücken) sind Gründe, die Menschen von ihrem Herkunftsort
wegtreiben. Das sind also zum Beispiel schlechte Lebensumstände wie
Arbeitslosigkeit, Verfolgung oder Krieg. Pull-Faktoren (engl. to pull
= ziehen) sind Gründe, die Menschen zum Ziel ihrer Wanderung
hinziehen. Das müssen also Verbesserungen oder die Hoffnung auf
Verbesserungen im Leben der Migranten sein.
Mit diesen Faktoren kann man gut erklären, warum in bestimmten
Situationen Migration entsteht – wenn Push- und Pull-Faktoren stark
genug sind – und in anderen Situationen nicht.
7
Darstellung
Niemand flieht freiwillig
Hinweis: Dieser Text stammt vom UNHCR – der Flüchtlingshilfsorganisation der Vereinten Nationen. Er befasst
sich mit einem bestimmten Fall von Migranten, den Flüchtlingen.
Niemand flieht freiwillig
Völkerrechtlich ist nur derjenige ein Flüchtling, der sein Land aus
„Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, seiner Religion,
Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder
wegen seiner politischen Überzeugung“ verlässt. (Art. 1 der
Flüchtlingskonvention)
Gründe für eine Flucht können jedoch sehr unterschiedlich sein. Meist
sind es Krieg und Gewalt, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu
verlassen. Immer dabei ist die Angst um das eigene Leben, um das Leben
und das Wohlergehen der Kinder, der Familie oder von Freunden.
8
?
9
?
Wandern = Migration?1.1 Warum gehen Menschen eigentlich woanders hin?